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verfaßt von Guny, E-Mail: gunhild [at] gerthprivat.de, 12.10.2007, 10:45 Uhr  

Dieser Zweiteiler stellt zum 1. Mal einen Menschen in den Mittelpunkt, der in der DDR weder prominent war, noch zu den intellektuellen Kreisen gehörte, sondern der einen ganz durchschnittlichen Bürgertyp verkörperte. Auf Grund ihres gesunden ehrlichen Menschenverstandes wurde diese Frau in ihrem Betrieb gemobbt und degradiert. Es ist im 1. Teil hervorragend gelungen dargestellt, wie ein lebenslustiger, verantwortungsbewusster, fleißiger Bürger in der DDR dazu getrieben wurde, seine Heimat zu verlassen, wenn er sich nicht brechen lassen wollte – ein Entschluss, der von ihm forderte, seine Freiheit und sein Leben aufs Spiel zu setzen. Es gibt eben Menschen, denen ist die geistige Heimat wichtiger, so dass die geografische verblasst.
Zum 1. Mal seit der Wende bekommen diese wertvollen Mitglieder einer Gesellschaft - Männer und Frauen als Vertreter des aufrechten Ganges und der Zivilcourage in der DDR - eine Stimme in der Öffentlichkeit. Das tut gut!!! Dass es sich in diesem Film um das Schicksal einer allein erziehenden Mutter handelt, von Veronika Ferres hervorragend gespielt, geht wohl jedem zu Herzen und beweist auch die verlogene Emanzipationsprahlerei der DDR-Nostalgiker. Sobald Frauen straffällig geworden waren, wurden sie zu willfährigen Objekten der DDR-Justiz ohne Rechtsbeistand. Zwangsadoptionen wurden lapidar schriftlich mitgeteilt. Ich habe dies in Hoheneck erlebt, da auch ich von Anfang 1973 bis Herbst 1975, wegen Republikflucht 2,7 Jahre in Stasi-U-Haft und in Hoheneck war. Es gibt in diesem Film viele Parallelen zu meinem Leben. Veronika Ferres spielt nicht nur das Schicksal von Frau Gallus, sondern das von vielen Frauen und auch meines. Ich saß während des Films mit kalten Händen und Füßen da und habe vor innerer Erregung gezittert. Ich habe körperliche Schmerzen durch die Muskelverspannungen, so sehr hat mich die Handlung in die furchtbare Zeit zurückgeworfen. Trotzdem freue ich mich über diesen Film - er ist authentisch und von allen Schauspielern sehr gut gespielt. Ich wünsche mir, dass er nicht so schnell vergessen wird.

Guny

Re:"Die Frau vom Checkpoint Charlie"
verfaßt von Peter Ziesecke, E-Mail: peter.ziesecke [at] gmx.de, 01.10.2007, 23:00 Uhr  

Warum mein Beitrag bei Welt online um 19Uhr 30 nicht erschien, ist mir unbekannt.
Nun habe ich auch den zweiten Teil gesehen. Es ist ein guter Film! Veronica Ferres, aber auch die ausgezeichneten Darsteller aus dem Gegenlager haben es geschafft, überzeugend das zu vermitteln, was bei allen ähnlichen Versuchen bisher auf der Strecke blieb: Die Vermittlung von Wahrheit. Die Kati hat Recht: Wir müssen offensiver mit unserer Vergangenheit umgehen. Es reicht nicht, wenn wir mit diesem Forum ein paar Tausend Menschen erreichen. Diejenigen, die es betrifft,fast 12/13 Millionen, die sich damals gleichschalten ließen, muß der Kopf zurecht gerückt werden. Den nichtbelehrbaren Leuten muß man die Stirn bieten und sie mit der Nase in den nostalgischen Unrat drücken. Wir tun unseren Kindern und Enkeln keinen Gefallen, wenn wir schweigen und die Aufarbeitung abbrechen. Dieser Film soll und muß Lehrfilm an allen Schulen werden. Es darf nicht sein wie bisher geschehen, daß im Fach Politische Bildung das Wort Diktatur nicht erklärt werden kann, weil es immer noch Lehrer gibt, die Kritik an dieser Zeit gern totschweigen und die rückhaltlose Abrechnung meiden. Sie sind es leider nicht allein. Auf manchem Arbeitsplatz in dieser Republik, heute gerade erlebt, ist man sich nicht mehr so sicher, ob es sinnvoll ist, gegen bestimmte Meinungen und Stömungen Stellung zu beziehen. Es ist ja auch kein Wunder, bereits 31 Prozent dieser obengenannten mehreren Millionen Bürger im Osten will wieder Schwarz-Rot-Gold mit Hammer und Sichel.
Oder sollte ich mich da irren? Man sollte ihnen die Chance geben, um all die guten Dinge von Diktatur, Stacheldraht und Unfreiheit, von Zuchthaus und tausendfachen Mord in der koreanischen Glückseligkeit auszuleben.
Das ist übertrieben, sicherlich! Nur, wenn bei diesem Ergebnis nicht bei den verantwortlichen Politikern endlich die Alarmglocken klingeln, dann kann es schnell passieren, daß diese Zeilen irgendwann so nicht mehr geschrieben werden!

verfaßt von Jana, E-Mail: HLBranda [at] aol.com, 02.10.2007, 10:40 Uhr  
Zu diesem Film habe ich eine gespaltene Meinung. Auf der einen Seite ist es schon beachtlich, dass überhaupt ein diesbezüglicher Anfang gemacht worden ist.

Die Kritik an Jutta Gallus und auch an der Darstellerin Veronica Ferres finde ich nicht stichhaltig. Insbesondere finde ich es sehr gut, dass sich Ferres doch ganz offensichtlich sehr umfassend über das Thema informiert hat.

Auf der anderen Seite ist dies in meinen Augen aber auch gleichzeitig ein Film, der zwar einiges öffentlich zeigt - aber nur soviel, dass die Verantwortlichen von damals auch heute nicht um ihren selbstgerechten Schlaf gebracht werden.

Der Spielfilm selber ist nach meiner Auffassung nur eine Lightversion von dem, was in der Ex-DDR wirklich praktiziert worden ist, insbesondere wie Menschen gerade während der Haftzeit ganz massiv unter Druck gesetzt und gegeneinander ausgespielt worden sind - und zwar so gründlich, dass etliche Betroffene mit dieser Bereinigung lebenslang beschäftigt sind.

Aufschlussreicher finde ich hierzu bspw. das Gespräch mit
Jutta Gallus bei Beckmann.

Beckmann im Gespräch mit Veronica Ferres und Jutta Fleck

Vollkommen ausgeblendet wird aber, wie auch "widerspenstige" Kinder und Jugendliche von im Westen lebenden Eltern von den DDR-Behörden sowie in Schule und Ausbildung massiv drangsaliert und mit vielfältigen Ausgrenzungen und Repressalien unter Druck gesetzt worden sind bis sie, nun volljährig geworden, selber keinen anderen Ausweg mehr als die Republikflucht gesehen haben und schließlich oft selber in Haft gelandet sind.

Während die meisten erwachsene Menschen an irgendeinem Punkte noch selber entscheiden konnten, welchen Weg sie gehen wollen - hatten diese Kinder und Jugendlichen niemals eine solche Chance. Diesen blieb meistens nur die „Wahl“: Entweder sich quasi als „Kronzeuge“ gegen die Eltern und damit offensiv und öffentlich für den Osten und gegen den Westen zu entscheiden (und damit auch jede Menge Privilegien zu erhalten) oder aber es wurde mit allen erdenklichen Mitteln und „sozialistischen Umerziehungsmaßnahmen“ gegen diese Kinder und Jugendlichen vorgegangen. Irgendwelche „Nischen“ gab es nicht, denn stets wurden „Stellungnahmen“ abverlangt und/oder irgendwelche miesen Tricks praktiziert.

Ich selber wurde als Jugendliche bspw. sogar über ein Jahr lang mit allergieauslösenden Medikamenten "behandelt", so dass die allergischen Auswirkungen immer schlimmer wurden. Gleichzeitig wurde mir erklärt, diese Erkrankung würde nur durch meinen "falschen bzw. wankenden Klassenstandpunkt" verursacht werden. Mit einem "richtigen festen Klassenstandpunkt" würde es mir gesundheitlich auch wieder besser gehen. Solche miesen "Tricks" waren aber nicht nur gesundheitlich äußerst unangenehm, sondern im Falle eines allergischen Schocks auch lebensgefährlich.

Diese gängigen und äußerst brutalen Aspekte werden im Film vollkommen ausgeblendet. Aber erst in diesem Bezug wird auch die seltsame Verhaltensweise der Westbehörden hinterfragungswürdig, mit welcher die Eltern im Westen zum steten Stillhalten und Stillschweigen über das Schicksal ihrer Kinder angehalten worden sind.

Auch dieser Film zeigt letztendlich, dass sich nach wie vor in der Öffentlichkeit nicht daran gewagt wird, diese überaus miese gesamtdeutsche Vergangenheit wirklich aufarbeiten zu wollen. Dazu gehören auch die ehrliche Hinterfragung des Schweigens und der seltsamen „Hinhaltetaktik“ des Westens.

http://tinyurl.com/2emo5w



 




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