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Wills beeindruckende Gäste und eine matte Pau

Unser Kolumnist Graf Nayhauß ist voll des Lobes: Beim nunmehr dritten Mal «Anne Will» stimmte fast alles, sagt er - das Thema, die Gäste und die Talklady selbst.
In thematischem Einklang mit dem vorangegangenen Fernsehfilm «Die Frau vom Checkpoint Charlie» ging es um das heiße Thema «Unrecht vergeht nicht - Der lange Schatten der DDR». Der Film - und dann auch Wills Sendung - hatte die wahre Lebensgeschichte einer Frau zum Aufhänger, die mit ihren beiden Töchtern aus der DDR über Rumänien fliehen will, aber geschnappt wird, für zwei Jahre in Haft kommt, ihre Kinder in ein staatliches Heim gesteckt werden.

Die Frau, Jutta Gallus- Fleck wird von der Bundesrepublik freigekauft, die Töchter dürfen aber erst nach sechs Jahren zu ihr in den Westen. Bis dahin - es ist die Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost und West - demonstriert die Mutter am Berliner Grenzübergang in der Friedrichstraße für die Freilassung ihrer Kinder.

Auf dem Sofa
Nun saß die resolute Frau mit ihren inzwischen erwachsenen Töchtern im Studio bei Anne Will auf dem Weißen Sofa.

Musste die Mutter befürchten, dass sich ihre Kinder während der Jahre der Trennung innerlich von ihr entfernen? «Haben Sie Zweifel an der Loyalität Ihrer Kinder gehabt?», fragt Will. «Nie!», antwortet die Mutter wie aus der Pistole geschossen. Woher nahm sie diese Zuversicht? «Die Liebe war so groß», sagt sie. «Sie müssen einfach kämpfen!» Eine der Töchter nickt heftig. «Dabei wurde uns jeden Tag quasi auf dem Tablett serviert, dass unsere Mutter ein schlechter Mensch sei!»

Anne Will stellt diesmal die richtigen, dass heißt nahe liegenden Fragen. Zum Beispiel: «Wissen Sie, wer Ihren Fluchtplan verraten hat?» Die Mutter: «Ich weiß, wer an dem Verrat beteiligt war.»

«Sagen Sie die Namen?»

«Nein, das müssen diese Menschen mit ihrem eigenen Gewissen abmachen, ob und wie sie sich dazu öffentlich bekennen.» Spontaner Applaus.

Menschliche Größe
Ich bin beeindruckt. Welch' menschliche Größe spricht aus dieser Einstellung!
Merkwürdig aber besonders interessant: Die Töchter sprachen nach ihrer Freilassung am 25. August 1982 miteinander nie mehr über die schreckliche zurückliegende Zeit. «Die sechs Jahre waren für uns wie weggelöscht. Wir begannen ein ganz neues Leben», sagt eine der Töchter. Jetzt im Studio begannen sie zum ersten Mal wirklich über ihre Erlebnisse zu sprechen.

Will: «Was war für Sie die DDR?» - «Auf jeden Fall ein Unrechtsstaat.»

Und was sagt die ebenfalls anwesende Bundestags-Vizepräsidentin der Linkspartei, Petra Pau, Jahrgang 1963, früher SED-Mitglied und im Zentralrat der kommunistischen FDJ zu dieser menschlichen Tragödie?

Sie stottert vor Verlegenheit, spricht wirres Zeugs. «Ich persönlich hatte keine Berührung... ein bisschen schwierig... sage heute: völlig unakzeptabel.» Und dann: «Ich habe mir an keiner Stelle etwas zu Schulde kommen lassen.» Klingt matt.

Blauhemden
Nun funkt der CDU-Abgeordnete Peter Hinze, ehemaliger CDU-Generalsekretär und «Erfinder der Rote-Socken-Kampagne» (Anne Will) als nächster Studiogast dazwischen: «Es ist wichtig, die Geschichte aufzuarbeiten. Es reicht nicht zu sagen, die Menschen hatten blaue Hemden an uns waren ein bisschen neben der Spur.» Applaus.

Veronika Ferres, die in dem Film die Mutter spielt - in beeindruckender Weise, bekennt: «Ich war total geschockt. Bei der Premiere des Films kamen zwei Mütter auf mich zu mit ähnlichem Schicksal. Sie suchen noch heue ihre Kinder.»
«Informantenscheiß»
Alsdann geht es um die Frage, ob die nach der Wende sichergestellten Stasiakten weiterhin jedermann zugänglich bleiben sollen. Der gleichfalls anwesende ehemalige Bürgerrechtler in der DDR, Friedrich Schorlemmer, ist erstaunlicherweise dafür, mit dem «Informantenscheiß» Schluss zu machen. «Ich bin dafür, dass nur noch Staatsanwälte Einsicht bekommen.»

Marianne Birthler, in der DDR aufgewachsen, dem kirchlichen Widerstand angeschlossen, seit 2000 Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, ist begreiflicherweise dagegen: «Die Akten sollen zugänglich bleiben. Für viele ist es befreiend, die Akten zu lesen.» Applaus.
«Auf diplomatischem Weg»
Interessant auch, was Mutter Jutta Fleck nach ihrer Freilassung in den Westen widerfuhr, als sie bat, bei den DDR-Behörden Druck für die Freilassung ihrer Kinder zu machen. «Die haben beschwichtigt, sagten: 'Wir machen das auf diplomatischem Weg, das kann dauern.' Nur Genscher hat geholfen. Sehr. Er empfing mich als einziger von den hohen Politikern.» (Bei der Filmpremiere in Berlin sahen sie sich, tief berührend, wieder).

Die letzte Frage Anne Wills ging denn auch noch einmal an die Mutter: Ob sie im Westen das bessere Leben in Freiheit gefunden habe?

«Ja! Wir müssen täglich daran arbeiten, dass es uns erhalten bleibt. Ich sage anderen ehemaligen DDR-Flüchtlingen: Erzählt Eure Geschichte, geht in die Schulen, damit Deutschland wirklich zusammenwächst.»

Anne Will beließ es klugerweise dabei: «Ein schönes Schlusswort.»




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